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Glaube und Moderne

Theologischer Gesprächsabend mit Bbr. Erhard Bechtold

Karlsruhe. Der diessemestrige Theologische Gesprächsabend stand ganz im Zeichen unseres persönlichen Glaubens – und der Frage, inwieweit Glaube noch mit der Moderne des 21. Jahrhunderts zu vereinbaren ist. Unter Anleitung von Bbr. Pfr. Erhard Bechthold versammelten sich so viele Alte Herren und Aktive auf dem Haus, dass die ursprünglich angedachte Tischkonstellation erweitert werden musste – das Interesse am Thema schien groß zu sein.

Die Antworten auf die Einstiegsfrage, was für uns persönlich Religion ausmacht, fielen erwartungsgemäß unterschiedlich aus. Glaube sei Ruhe, Hoffnung, ein Anker, ein Wertefundament und vieles mehr. Interessant war es zu hören, wie einige der älteren Alte Herren ihre religiöse Sozialisation beschrieben, geprägt von Dogmen. Sicherlich unterscheidet sich der heutige Religionsunterricht in diesem Punkt fundamental vom damaligen.

Im weiteren Verlauf der Diskussion kristallisierte sich heraus, wie Glaube und Religion in der Vergangenheit genutzt wurden, um die jeweilige Gesellschaftsordnung zu legitimieren. Die Kaiser des Mittelalters führten beispielsweise den Namenszusatz „von Gottes Gnaden“. Eine Schlussfolgerung war, dass die Demokratisierung unserer Gesellschaft möglicherweise zu einem Bedeutungsverlust des Glaubens geführt hat. Heute legitimiert das Volk selbst in Form von Wahlen seine Politiker, eine vermeintlich göttliche Ermächtigung ist nicht mehr notwendig.  Zudem habe sich am Kosten-Nutzen-Verhältnis der Religion vieles verändert. Früher ließ sich dieses auf eine einfache Formel bringen: Frömmigkeit oder Fegefeuer. Heute ist das glücklicherweise nicht mehr unser Verständnis von Religion. Somit war eine der Erkenntnisse des Abends, dass es wohl strukturelle Gründe für den Bedeutungsverlust von Glauben gebe, die stark mit der Modernisierung unserer Gesellschaft zusammenhängen.

Wo liegt dann also heute der Sinn von Religion? Wir stellten fest, dass diese Frage sehr schwierig pauschal zu beantworten ist. Sicherlich ist der Glaube immer noch einer der wenigen Aspekte, der schichtübergreifend für gesellschaftlichen Zusammenhalt sorgen. Selbst Gregor Gysi, ein bekennender Atheist, spricht der Kirche diese Funktion ausdrücklich zu. Wichtiger scheint aber wohl die individuelle Ebene: Glaube ist für viele von uns der Anker und das Fundament im Leben; im Gottesdienst oder stillen Gebet lässt sich Ruhe finden, die ansonsten immer seltener wird. Und das ist vielleicht auch die vage Erkenntnis des Abends: Die viel gestellte Frage nach dem Sinn von Religion lässt sich nicht pauschal beantworten wie vielleicht im Mittelalter, sondern nur auf individueller Ebene.