Zukunft der Kirche

Theologischer Gesprächsabend mit Hochschulpfarrer Christof Scherrer

Karlsruhe. Kurz vor Ende des Sommersemesters konnte das Semesterprogramm nochmals ein Highlight aufweisen. Zusammen mit dem Karlsruher Studentenpfarrer Christoph Scherer fanden sich die Aktiven und einige Alte Herren bei mildem Sommerwetter unter der Linde im Garten ein, um sich mit einem Glaubensthema auseinanderzusetzen.

Um den Einstieg in die freie Diskussion zu vereinfachen, schlüsselte der Senior der Unitas Franco-Alemannia, Bbr. Jesús Aramendiz, das Gesamtthema "Zukunft der Kirche" auf. Basierend auf einer Umfrage unter Jugendlichen benannte er die Unterthemen Ökumene, Toleranz, Formen und Professionalisierung als wichtige Faktoren für die Entwicklung der Kirche. Dabei gaben viele der Befragten der Umfrage an, dass sie sich eine Öffnung der Kirchen für interkonfessionelle Zusammenarbeit und Mitglieder abseits der konservativen Lebensvorstellungen wünschten und sich eine formärmere aber dafür kreativere Ausgestaltung kirchlichen Lebens vorstellen würden. In Zukunft sehen viele die Gemeinden durch den Wegfall von Hauptamtlichen gefordert.

Prinzipiell scheint die Zusammenarbeit der christlichen Einzelkirchen vor allem für politisches und caritatives Wirken nach Außen hin sinnvoll. Allerdings war es schon in der kleinen unitarischen Diskussionsrunde kaum möglich zu definieren, was Ökumene spirituell leisten kann und soll. Zudem ist Ökumene ein spezifisch deutsches Thema, da kaum ein Staat sonst so gleichmäßig in Katholiken und Protestanten aufgeteilt ist. Sollte eine Weltkirche hier also Zugeständnisse machen?

Dies führte allgemein zu der Frage, wie viele Kompromisse die Kirche eingehen dürfe, um für einen weiteren Personenkreis attraktiv zu sein. Sollten spirituelle Angebote abseits der oft etwas "verkopften" Predigten und der geschlossenen Gruppierungen innerhalb der Gemeinden erweitert und niederschwelliger gestaltet werden, um Interessierten den Einstieg zu vereinfachen? Oder ist eine gewisse Verbindlichkeit nicht sogar sinnvoll, um in einer Gesellschaft mit vielen Angeboten, in der der Glaube oftmals wie eine Freizeitbeschäftigung scheint, eine gewisse Konstanz zu gewährleisten? Viele kontroverse Meinungen herrschten in der Diskussionrunde. Einerseits könnte die Kirche nicht nur an spirituellen Angeboten feilen, sondern auch verstärkt die Gemeinschaft der Gläubigen in den Vordergrund rücken. Dies würde aber auch erfordern, dass alle Institutionen der Kirche nach außen konsistent auftreten. Andererseits könnte aber auch der Entscheidungsprozess, das bewusste "Ja zum Glauben", stärker forciert werden. Nach Meinung einiger Diskussionsteilnehmer müsste man dazu die allgemein praktizierten Säuglingstaufe überdenken, die verhindere, dass sich die Gläubigen wirklich bewusst für eine Mitgliedschaft, Teilhabe und auch Verantwortung in der Kirche entscheiden könnten und müssten. Zwangsweise ändern werde sich laut Diskussionansatz einiger aber vor allem die Struktur deutscher Gemeinden, da die Kirchen schon lange nicht mehr den Anspruch hätten, Volkskirchen zu sein.

Steht den deutschen Kirchen vielleicht auch bald eine straffe Säkularisierung nach französischem Vorbild bevor? Spätestens dann wären laut Ansicht einiger Teilnehmer die durch die Kirchensteuer übermäßig stark ausgebildeten Strukturen zum Scheitern verurteilt, vor allem in den kleineren Gemeinden, in denen die Wege zu den Kirchen der stetig wachsenden Gemeinden immer länger zu werden scheinen.

Quo vadis, Kirche? Zum Ende der Diskussion noch immer ungeklärt, aber mit einigen Ideen und Ansätzen ausgeschmückt. Eine Frage, die es aber zeitnah zu beantworten gilt, um eine positive Fortwirkung der Kirche in der Welt sicherzustellen - dass Kirche dabei aber jeder von uns ist, war allgemeiner Konsens.