"Frieden schaffen - aber wie?"

Theologischer Gesprächsabend mit Bbr. Pfarrer Erhard Bechtold

 

Karlsruhe. Zur Vorbereitung auf den bevorstehenden Aktiventag nahmen die Aktiven mit Unterstützung einiger Alter Herren unter Anleitung von Bbr. Pfr. Erhard Bechtold einen thematischen Vorgriff vor. Unter dem Motto "Suche Frieden – aber wie?" diskutierten die Teilnhemer über die Optionen und die Verantwortung moderner Christen Frieden zu stiften, auf privater und globaler Ebene.

Zunächst muss dabei berücksichtigt werden, dass Frieden nicht nur die reine Abwesenheit von Krieg oder Konflikten darstellt, sondern auf vielen physischen und auch psychischen Ebenen stattfindet. Oftmals wird auch von sozialem Frieden, öffentlichem Frieden oder auch dem sogenannten Hausfrieden gesprochen, die sich nicht direkt mit dem decken, was man sich vorstellt, wenn man das Wort "Frieden" hört.
Die frühen Christen hatten auf diese Frage eine sehr direkte Haltung: strikte Ablehnung von Gewalt, unter allen Umständen. Mit dem christlichen Glauben als Staatsreligion des römischen Reiches war eine solche Haltung aber bereits nicht mehr umsetzbar, ohne verantwortungslos gegenüber der Bevölkerung zu agieren. Es entstanden Thesen zum "gerechten Krieg", im Endeffekt lassen sich aber Kreuzzüge und auch Kriege zwischen christlich orientierten Nationen in der Moderne auf diese Entwicklung zurückführen. Aus diesem Grund hat sich laut Bbr. Bechtold das moderne Christentum auf das Leitbild des "gerechten Friedens" rückbesonnen. Pazifistische Haltungen der Kirchen seien durch die Säkularisierung letztendlich auch wieder sinnvoll.

Gleichzeitig wird es auch schwierig zu beurteilen, an welcher Stelle die Kirchen, die Unitas oder auch wir als Privatpersonen überhaupt ansetzen können - zumal viele moderne Konflikte ursächlich aus einem globalen Markt resultieren. An welchen Dimensionen des Friedens muss also wie angesetzt werden, um einen tatsächlichen "Impact" zu erzielen?

Zunächst muss man sich vor Augen führen, dass die Strukturen, die Europa reich und friedlich gemacht haben, oftmals an kulturellen Gegebenheiten oder der stark verschiedenen Ausgangslage im Nahen Osten oder Afrika zum Scheitern verdammt sind. Ein Patentrezept für den Frieden gibt es nicht, da waren sich alle Teilnehmer einig. Somit verbleiben wir mit dem Wissen um die Notwendigkeit internationaler Verständigung in Krisensituationen und die strukturelle Sünde, die Beteiligung und Billigung der westlichen Wohlstandsgesellschaft am Elend in den Krisenregionen der Welt. Im Großen kann das die Orientierung an UNO-Mandaten für militärische Einsätze oder die Kontrolle und gegebenenfalls auch Ablehnung von Waffenexporten bedeuten. Im Kleinen kann das für jeden persönlich im Einsatz für den Frieden im privaten Umfeld, Unterstützung von Hilfsorganisationen und bewusstem Konsumverhalten bestehen.

In der Abschlussrunde der Teilnehmer brachte es ein junger Spefux auf den Punkt: "Ein grundlegendes Bewusstsein für den Frieden ist nicht unwichtig, denn im Endeffekt ist ein besonderes Kennzeichen stabilen und anhaltenden Friedens, dass man sich im Alltag sehr wenige Gedanken darüber machen muss."