WS 2014/15

Was kann ich schon tun!?

Unitarischer Abend: Das Prinzip „scientia“ im Verantwortungs-Kontext

Karlsruhe. Der Einladung des Semesterprogramms folgend waren wieder einige Bundesbrüder im von-Geymüller-Gewölbe des Unitas-Hauses zusammengekommen, um das sonst im Lern- und Wissenskontext diskutiert unitarische Prinzip „scientia“ aus dem Blickwinkel eines Forschers oder Entwicklers in Ausübung seines Berufs zu betrachten.

Consenior Bbr. Lukas Beeck nahm die Verleihung der Nobelpreise in der vergangenen Woche zum Anlass, in das Thema einzuführen. Als Beweggrund für sein Vermächtnis hatte Alfred Nobel einmal geäußert, „dass er Wissenschaftler belohnen wolle, weil sie zu oft wirtschaftlichen Gegenwind hätten.“ Deshalb sollten in den Bereichen Physik, Chemie, Medizin, Literatur und für Friedensbemühungen Anerkennung jenen zuteil werden, „die im verflossenen Jahr der Menschheit den größten Nutzen geleistet haben.“ [http://de.wikipedia.org/wiki/Nobelpreis]

Trotz seines Unternehmertums auch im Rüstungsbereich war Alfred Nobel, deutet man Aussagen von ihm und von Zeitzeugen, die verantwortungsvolle Förderung der Wissenschaft zum Wohl der Menschheit ein Anliegen. Ob der Preis für Literatur und für außergewöhnliche Friedensbemühungen ein steuerndes oder richtungsweisendes Element in der Zielsetzung von Forschung und Entwicklung sein sollte, bleibe wohl Spekulation, so die Runde.

Doch wie verhält es sich im täglichen Berufsleben? Wie soll man seine Entscheidungen treffen, wenn sich moralische Fragen ergeben? Ist diese dann mit aller Konsequenz zu verfolgen, bis zur Aufgabe des Arbeitsplatzes, oder ist der Angestellte gar freigestellt von jedweder moralischer Verantwortung, weil er „nur seine Arbeit macht“? Eine spannende Diskussion, die sich auch an der Fragestellung orientierte, wie offensichtlich moralische Fragen in der Arbeit überhaupt sichtbar werden. Kann hier, oder muss hier sogar die unitarische Übung von Wissenschaftlichen Sitzungen, das Prinzip der „scientia“ zum Schärfen des Blicks über den Tellerrand des eigenen Fachbereichs, die Entwicklung zum kritischen Reflektieren nicht dazu befähigen und verpflichten, sich seiner Verantwortung auch in scheinbaren nicht beeinflussbaren Vorgängen bewusst zu werden und sie wahrzunehmen? Beobachtung der Debatte war auch, dass die Gesellschaft eine Veränderung hin zu mehr Folgenabschätzung durchlaufen müsse, dass Unternehmen verstärkt ihre gesellschaftliche Verantwortung im Blick haben und erst nachgelagert den oft kurzfristig orientierten Stakeholder-Interessen folgen sollten.

Nach angeregter Diskussion und Betrachtung waren sich die Bundesbrüder einig, dass letztendlich dem Reden auch echte Taten folgen müssten, in denen jeder Einzelne für sich die „richtigen“ Entscheidungen zu treffen habe. Diese sollten aber eingebettet sein in eine Sensibilisierung für die den Menschen überantwortete Schöpfung.

Text & Bild: Bbr. Ingo Gabriel