WS 2015/16

„Wir sind verdammt dazu, frei zu sein“

Wissenschaftliche Sitzung mit Bbr. Matthias Kluge

Karlsruhe. Was ist Freiheit? Nachdem in den Semesterauftaktveranstaltungen schon einige Reden zum Thema Freiheit gehalten wurde, wurde es Zeit sich dieser Frage wissenschaftlich und philosophisch zu nähern. Bbr. Matthias Kluge hielt hierzu seine erste Wissenschaftliche Sitzung „Der Freiheitsbegriff im Lauf der Geschichte“. Er ging darauf ein, dass in der Frühzeit die Freiheit in erster Linie durch existenzielle Nöte beschränkt war. Erst in späteren Jahren kam die Einschränkung der Freiheit durch Normen, Gesetze und Staaten hinzu. Es entwickelten sich insbesondere Unterschiede im Grade der Freiheit: Zwischen Sklaven und freien Bürgern in der Antike, aber auch zwischen Land- und Stadtbewohnern im Mittelalter.

In der Zeit der Aufklärung wurde der Freiheitsbegriff philosophisch diskutiert. Dabei stoß Kant auf die Schwierigkeit einer absoluten Definition des Freiheitsbegriffs: „Was Freiheit in praktischer Beziehung ist, verstehen wir gar wohl, in theoretischer Absicht aber, was ihre Natur betrifft, können wir ohne Widerspruch nicht einmal daran denken, sie verstehen zu wollen.“ Diese philosophische Auseinandersetzung legte den Grundstein für ein Umdenken in Religion und Staat und damit unter anderem für die Entwicklung der wirtschaftlichen Freiheit, die in den ersten Zollvereinen verwirklicht wird.

Auch in der heutigen Zeit fällt eine klare Definition des Freiheitsbegriffs schwer. Und so unterscheidet auch die Definition des Dudens zwischen dem „Zustand, in dem man sich in seinen Entscheidungen nicht eingeschränkt fühlt“ und dem „Vorrecht, etwas zu tun“.
An den Vortrag schloss sich eine sehr fruchtbare Diskussion an, in der Aktive und Alte Herren versuchten, sich ihrer eigenen Vorstellung und Bewertung von Freiheit klarzuwerden. Dabei wurde klar, dass der Wert der Freiheit erst in der Wahl zwischen verschiedenen Möglichkeiten besteht. Gleichzeitig wird durch die Wahl grundsätzlich die Anzahl der offen stehenden Möglichkeiten beschränkt, das heißt die Freiheit eingeschränkt.

Ebenso wurde deutlich, dass wir die wesentlichen Einschränkungen unserer Freiheit durch den Zusammenschluss in Gemeinschaften und Gesellschaften erfahren. Gleichzeitig ermöglicht uns aber genau dieser Zusammenschluss erst, unsere materiellen Zwänge zu überwinden und damit die Freiheit zu erreichen, die wir heute genießen.

Und zu guter Letzt wurde herausgearbeitet, dass selbst in einer sehr freiheitsberaubenden Situation uns die Freiheit nicht genommen werden kann, unseren Standpunkt, unsere Gedanken und unsere Bewertungen zu definieren. In diesem Sinne können wir der Freiheit nie entrinnen, wir sind qua Geburt „verdammt dazu, frei zu sein“.

Text: Bbr. Gabriel Garreis
Bilder: Bbr. Ingo Gabriel