Wissenschaftliche Sitzung mit Bbr. Florian Kössler
Karlsruhe. „Warum sind wir Christen oder besser: warum sind wir heute noch Christen?“ – mit dieser Frage leitete Bbr. Florian Kössler seine Wissenschaftliche Sitzung ein. Der Glaube an den einzig wahren Gott sei Bestandteil aller drei großen monotheistischen Religionen, also Christentum, Judentum und Islam. Doch wie erklärt sich dieser Absolutheitsanspruch, wenn er von Mehreren erhoben wird? Ein guter Startpunkt um sich im Rahmen der Wissenschaftlichen Sitzung detaillierter mit der Entwicklung im Christentum und der Ausprägung des Absolutheitsanspruches in den beiden anderen Religionen zu beschäftigen.
Bundesbruder Kössler beschränkte sich zunächst auf das Christentum und zeigte hierzu Textstellen der Bibel auf: im ersten Gebot Mose („Neben mir gibt es für dich keine anderen Götter“ [Exodus 20,2-3]) sowie im Neuen Testament („Ich bin der Weg, der zur Wahrheit und zum Leben führt. Einen anderen Weg zum Vater gibt es nicht“ [Joh 14,6]) fänden sich die Anfänge des Absolutheitsanspruchs.
Als weiterer Hinweis gelte das oft falsch verstandene Dogma vom Florentischen Konzil 1441 „Extra ecclesiam nulla salus.“ (Außerhalb der Kirche ist kein Heil zu finden). Nicht die alleinseligmachende Kirche stehe hier im Vordergrund, sondern die Heilsnotwendigkeit. Demnach solle der Glaubenssatz Abspaltungen innerhalb des Christentums verhindern und nicht das Heil außerhalb der Kirche auf Grund unverschuldeten Unglaubens ausschließen. Um das Verständnis hierfür zu stärken und die Aussagen zu präzisieren seien unter anderem Lumen Gentium als dogmatische Konstitution über die Kirche (LG 14) und Dignitatis Humanae als Erklärung über die Religionsfreiheit entstanden, in der die Kirche diese erstmals als Menschrecht anerkannt habe. Doch erst Nostra Aetate hätte sich erstmals mit dem Verhältnis zu nichtchristlichen Religionen beschäftigt („Die katholische Kirche lehnt nichts von alledem ab, was in diesen Religionen wahr und heilig ist.“). „Aber bei alldem ist wichtig, dass es keinem Geistlichen zusteht zu entscheiden wer ins Reich Gottes kommt“, so der Referent, allein der barmherzige Gott sei hierfür zuständig.
Im Anschluss gab Bbr. Kössler noch einen Überblick über den Absolutheitsanspruch in Judentum und Islam. Das Judentum schließe andere heilsbringende Religionen nicht aus, da die Tora zwar die einzige heilige Schrift für Juden sei, dies aber nicht bedeute, dass andere Völker keine eigenen heiligen Schriften hätten. Während im Judentum hieraus kein Missionsauftrag erwachse, sei dieser im Islam deutlich ausgeprägter, da hier die Ansicht der Vervollständigung von Judentum und Christentum herrsche („Der Islam ist überlegen, nichts ist ihm übergeordnet.“ [islamrechtlicher Grundsatz]).
Als Fazit stellte der Vortragende da, dass eine unterschiedliche Ausprägung des Absolutheitsanspruches in den Religionen existiere. „Damit ist klar, dass man auch ohne und außerhalb der katholischen Kirche das Heil erlangen kann“, so Bbr. Kössler. Natürlich sei es der Auftrag eines jeden Christen den Missionsauftrag Christi fortzusetzen und für den aus unserer Sicht einzig wahren Gott einzustehen, doch führe Glaube nur zum Heil, wenn dieser in Freiheit angenommen werde.
Text: Bbr. Jonas Neckenich
Bilder: Bbr. Ingo Gabriel